Aktualisierung der DIN 19738 (Juli 2017)

Überschreiten die Gesamtgehalte an organischen bzw. anorganischen Schadstoffen die Prüfwerte der BBodSchV in Bezug auf den Wirkungspfad Boden-Mensch (Direktpfad) sind gemäß genannter Verordnung weitere Sachverhaltsermittlungen zur Verfügbarkeit dieser Schadstoffe vorgesehen.

Im Rahmen dieser weiteren Sachverhaltsermittlungen stellt die Bestimmung der Resorptionsverfügbarkeit von bodengebundenen Schadstoffen ein zielführendes Verfahren dar. Dabei wird im Labor bestimmt, inwieweit oral aufgenommene Schadstoffe im Magen-Darmtrakt freigesetzt werden, um über die Schleimhäute in den Stoffwechsel aufgenommen werden zu können.

Geregelt ist das Verfahren in der DIN 19738 (2004-07): Resorptionsverfügbarkeit von organischen und anorganischen Schadstoffen aus kontaminiertem Bodenmaterial. Damit sollen die Verhältnisse im Verdauungstrakt unter Laborbedingungen mit Hilfe synthetischer Verdauungssäfte physiologienah simuliert werden. Grundlage ist die Erkenntnis, dass von dem an den Bodenpartikeln anhaftenden oder in die Bodenmatrix eingebundenen Schadstoffinventar im Verdauungstrakt nur ein gewisser Anteil durch Lösungs- oder Desorptionsprozesse freigesetzt wird und so für eine anschließende Resorption überhaupt zur Verfügung steht (Resorptionsverfügbarkeit).

Im Rahmen des Forschungsvorhabens (FKZ 3712 74 228) wurden von der IFUA-Projekt GmbH in Zusammenarbeit mit IME Fraunhofer Institut, Schmallenberg und UPC, Rehfelde im Auftrag des Umweltbundesamtes Robustheitsuntersuchungen durchgeführt und der Einfluss wesentlicher Verfahrensparameter auf die Resorptionsverfügbarkeit durch experimentelle Untersuchungen überprüft und bewertet. Damit wurde das Ziel verfolgt, die Vorgaben der Norm anzupassen, zu präzisieren und zu modifizieren, um verlässliche Ergebnisse zu bekommen. Die Bearbeitung des Projektes inklusive der Auswahl zu betrachtender Verfahrensparameter und Schadstoffe erfolgte in enger Abstimmung mit dem zuständigen DIN Arbeitskreis Bioverfügbarkeit (NA 119-01-02-02-01). Aufgrund des besonderen Interesses der Bundesländer wurde auch der Frage nachgegangen, inwieweit das in Böden mit Hintergrundbelastung vorkommende Benzo(a)pyren resorptionsverfügbar ist.

Die Ergebnisse dieses Arbeitsschrittes sind als UBA/Texte 15/2016 online veröffentlicht.

Zur Validierung des erarbeiteten Norm-Entwurfs wurde in Zusammenarbeit mit IME Fraunhofer Institut, Schmallenberg und UPC, Rehfelde ein Validierungsringversuch durchgeführt (FKZ 3714 71 217 0). Dieser erfolgte mit dem Ziel, die Praktikabilität des Entwurfs zu testen und gegebenenfalls weitere Erkenntnisse zur Aktualisierung der Norm zu erhalten. Letztlich sollte auch geprüft werden, inwieweit die im Normentwurf fixierten Qualitätskriterien in Hinblick auf das Verfahren realistisch sind.

Am Validierungsringversuch für die ausgewählten Parameter Antimon, Arsen, Blei, Cadmium, sowie PCB, 2,4,6-TNT und PAK nahmen insgesamt neun Labore teil. Während sich an der Untersuchung von PCB und TNT jeweils fünf Labore beteiligten, waren es im Fall der PAK sieben und im Fall der Elemente acht Labore.

Im Ergebnis zeigte sich, dass das Verfahren für alle hier betrachteten Schadstoffe grundsätzlich geeignet ist, wenngleich die Aussagen insbesondere in Hinblick auf die PCB und TNT aufgrund der insgesamt geringen Stückzahl an Teilnehmern weniger belastbar sind. Schwierigkeiten bei der Analytik traten insbesondere in Hinblick auf TNT im Sediment (nicht mobilisierbarer Rückstand) bzw. PCB im Mobilisat auf. Im Fall der PAK kann die Methode nicht nur für den Leitparameter Benzo(a)pyren angewendet werden, auch die Resorptionsverfügbarkeit weiterer relevanter Einzelstoffe kann hiermit untersucht werden. Die abschließenden Ergebnisse werden in Kürze vom UBA veröffentlicht.

Die aktualisierte DIN-Norm DIN 19738:2017-06: Bodenbeschaffenheit - Resorptionsverfügbarkeit von organischen und anorganischen Schadstoffen aus kontaminiertem Bodenmaterial  ist bereits beim Beuth-Verlag erschienen, und kann beim Beuth-Verlag bestellt werden.

Wesentliche Veränderungen gegenüber der DIN 19738:2004-07 sind die Verkürzung der Behandlungsdauer mit Darmsaft, die Aktualisierung der normativen Verweisungen, Vorgaben zur Qualitätssicherung und Wiederfindung sowie ergänzende und überarbeitete informative Anhänge, u.a. zur Herstellung und Verwendung der Enzyme und Verdauungshilfsstoffe

 

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